Seit uns die Neoprenanzug-Kollektionen für den Winter 2019 schon Ende 2018 vorgestellt wurden, fiebert das Einkaufsteam von Wetsuit Outlet diesem Moment entgegen. Im Angebot hat sich richtig etwas getan, mit neuen Technologien und neuen Modellen, und wir mussten uns lange zusammenreißen, bis wir dir endlich davon erzählen und die Anzüge ins Sortiment holen konnten.
Es fällt manchmal schwer, den Blick nicht an den besten und teuersten Anzügen einer Range hängen zu lassen, denn sie sind naturgemäß die mit der ganzen neuen Technik, allem Drum und Dran und dem großen Hype. Nur liegen sie meist außerhalb deines Budgets, oder du sparst gerade auf ein neues Brett und willst schlicht nicht so viel ausgeben. Genau hier spielen die Mittelklasse-Modelle ihre Stärken aus, was sonst allerdings Kompromisse und deutliche Abstriche beim Gegenwert für dein Geld bedeutet. Dieses Jahr nicht.
Wir hatten jetzt die Gelegenheit, die stärksten Modelle zweier unserer besten Marken zu testen: den Rip Curl Dawn Patrol Warmth und den Billabong Furnace Absolute. Beide wurden komplett überarbeitet und könnten in diesem Winter sogar den Flaggschiffen die Show stehlen.
Unser hauseigener Neopren-Experte Wetsuit Will nahm an einem stürmischen Dezemberwochenende mit Hagelschauern je einen der beiden Anzüge mit nach West Wittering, um sie auf Herz und Nieren zu prüfen: einen Tag Windsurfen, einen Tag Surfen. Die Wassertemperatur lag bei rund 11°C, die Lufttemperatur war sehr ähnlich, dazu kam kräftiger Wind mit 25-30 mph. Neben dem Neoprenanzug trug Will eine Neoprenmütze, 5 mm Neoprenschuhe und Open-Palm-Handschuhe (beim Windsurfen im Winter ein notwendiges Übel!).
Den Absolute gibt es schon einige Jahre, und er bot immer einen ordentlichen Kompromiss zwischen den wichtigsten Anforderungen (Wärme, Stretch, Komfort, Gewicht). In diesem Jahr hat er aber einen echten Sprung nach vorne gemacht.
Innenfutter sind in den vergangenen Jahren zum entscheidenden Faktor geworden und bringen zusätzlichen Komfort und Wärme in unsere Neoprenanzüge. Mit der Winter-Range 2019 führte Billabong das Furnace Graphene Thermofutter ein, das richtig gut angekommen ist, und fast unglaublich: Der Absolute profitiert schon in seiner allerersten Saison davon. Okay, ja, es ist die kleine Schwester des vollwertigen Graphene Linings mit weniger Beschichtung auf den Garnen, aber glaub bitte keine Sekunde, dass es sich nur um ein Alibi-Panel im Innenfutter oder einen Marketingtrick handelt – es funktioniert wirklich, und es ist reichlich davon verbaut!
Von der Brust bis zum Knie bekommst du vorne eine großzügige Portion des neuen, weichen, flach auftragenden und graphenbeschichteten Materials, das deinen Rumpf in wärmespeichernden Luxusstoff hüllt. Und es hält deine Körperwärme wirklich! Mir wurde über weite Teile dieser Session ehrlich gesagt fast zu warm, und das war für mich in einem Anzug der Mittelklasse eine Premiere. Der Rest des Anzugs ist mit einem herrlich nostalgisch violetten Polypro-Futter ausgekleidet, der Anzug ist also komplett gefüttert. Der einzige Nachteil dieser Vollfütterung: Einmal nass, wird der Anzug ziemlich schwer, und man fühlt sich etwas heruntergezogen.
Das Gummi dieses Anzugs besteht komplett aus einem Superlite-Schaumkern, der fantastischen Stretch bietet, dich weniger schnell ermüden lässt und außerdem die Passform verbessert. Er geht sehr angenehm an, fasst sich hochwertig an, und der Stretch ist dank des außen aufgebrachten Silicone Stretch Jersey kaum eingeschränkt. Dieses Neopren ist definitiv nicht die Premium-Sorte aus dem Flaggschiff Furnace Carbon, aber eben auch kein billiger, stretchloser Neopren-Verschnitt, und für durchschnittliche bis gute Surfer und Boardsport-Fans mehr als gut genug. Wichtig zu wissen: Hier kommt ein 5/4 mm Mix zum Einsatz, du sitzt also mollig warm, spürst beim Paddeln an Schultern und Armen aber vielleicht den zusätzlichen 1 mm.
Als Nächstes die Nähte. Langweilig, sagst du? Warum sollte dich das interessieren? Ganz einfach: Sie halten das kalte Wasser draußen und können den Stretch des Anzugs einschränken. Der Absolute setzt auf klassische geklebte und blindgesteppte Nähte (Glued and Blindstitched, GBS) mit wasserbasiertem Kleber, verstärkt durch innen liegende Neoprentapes. Das Ergebnis: Im Wasser hält sich das Eindringen von Wasser sehr in Grenzen. Das Comp-Entry-System ist dasselbe wie bei den Topmodellen und verhindert zuverlässig, dass rund um den Zip Wasser eindringt. Genau hier kommen allerdings zwei Kompromisse ins Spiel. Erstens sind die Tapes innen streng ‘strategisch’ gesetzt, also nur an den Belastungspunkten des Anzugs und an ein paar wichtigen Nähten am Rumpf. Mit anderen Worten: An den entscheidenden Stellen ist verstärkt worden, auf extreme Dichtigkeit über viele Jahre ist der Anzug aber nicht ausgelegt. Zweitens besteht der Innenkragen nur aus normalem Neopren und nicht aus Glideskin, dichtet also nicht besonders gut gegen Flushing ab, sodass am Halsabschluss Wasser eindringen kann.
Das Panel-Layout des Neoprens, entscheidend für Passform und Funktion eines Anzugs, hat sich gegenüber der Vorlage der vergangenen Jahre kaum verändert. Und obwohl es mehr Panels sind als bei den teureren Modellen, sind die Flächen über Schultern und Rücken, wo es wirklich zählt, immer noch ordentlich groß (generell gilt: je größer die Panels, desto besser Stretch und Passform). Auch hier gilt: Das Neopren ist nicht das allerbeste, es fällt aber auch kaum auf.

Unterm Strich hat der Furnace Absolute wirklich beeindruckt. Nicht vergessen: Das hier ist ein Winteranzug für unter £200 in 5 mm – ich muss mich immer wieder daran erinnern, ihn nicht mit Flaggschiff-Anzügen zum doppelten Preis zu vergleichen. Er neigt zwar leicht zum Flushing, ist nicht besonders großzügig getapet und wird nass schwer, dafür war er extrem warm, saß richtig gut und bietet genug Performance, um mit den allermeisten von uns mitzuhalten. Zu diesem verrückt niedrigen Preis für die gebotene Ausstattung wird der Absolute für Aufsehen sorgen und alle in Versuchung führen, die sonst direkt zu den Topmodellen greifen. Wer mehr Futter im Rücken, mehr Tapes innen, einen Glideskin-Kragen und ein cooleres Styling möchte, schaut sich den Furnace Revolution für nur £45 mehr an (£240 für die 5-mm-Version). Meine ehrliche Meinung ist aber: Der Absolute ist einen Versuch wirklich wert.
Den Dawn Patrol gibt es in der Rip Curl Range schon seit vielen Jahren, doch diesen Winter wurde er komplett überarbeitet. Wie? Der Name verrät es… der neue Dawn Patrol bringt jede Menge Wärme mit! Zwar steckt keine brandneue Technologie darin, doch viele der ikonischen Features aus der Rip Curl Range sind in diesen Anzug durchgesickert, und das macht ihn attraktiver denn je.
Das flauschige orange Flash Lining ist zwar nicht so neu und aufregend wie Billabongs Furnace Graphene Futter, dafür aber unbestritten ikonisch. Es war das erste seiner Art und spielt auch in der aktuellen Ausbaustufe noch ganz oben mit. Zwei Stofflagen liegen übereinander, halten die Körperwärme und leiten kaltes Wasser ab, und der Dawn Patrol trägt jetzt eine sehr großzügige Menge des neuesten E5 Flash Linings am ganzen Oberkörper. Ich glaube, ich muss gar nicht groß ausführen, wie warm, flexibel und schnelltrocknend das Flash Lining ist – dass der Flashbomb nach wie vor von oben bis unten damit ausgekleidet ist, sagt genug. Der Rest des Unterkörpers ist mit einem Polypro-Futter ausgestattet, ganz ähnlich wie beim Billabong Absolute, was für Komfort und Wärme ohne spürbare Kältebrücken sorgt. Das Polypro macht den Anzug etwas schwer, insgesamt aber weniger als beim Absolute, da es nicht bis in den Oberkörper reicht.
Zusammen mit dem E5 Flash Lining hat der Dawn Patrol auch ein Upgrade auf E5 Neopren bekommen. Vor wenigen Saisons war das noch das neueste und allerbeste Neopren am Markt, und es gehört weiterhin zum Besten. Der Stretch ist fantastisch, es legt sich für eine perfekte Passform um deinen Körper und es ist wirklich warm. Der Jersey außen ist ein Teil dessen, was E5 so besonders macht: Er nimmt kaum Wasser auf, bleibt nass also leicht und bremst den Stretch nicht aus. Hilfreich ist auch, dass Rip Curl in den Schultern auf 3 mm E5 ganz ohne Futter setzt, was den Stretch verbessert – im direkten Vergleich zum gefütterten 4 mm Superlite im Billabong Absolute ist das deutlich spürbar, auch wenn du die Kälte dort etwas mehr merkst.
Bei den Nähten kommt der Dawn Patrol weiterhin mit der 3-Jahres-Nahtgarantie von Rip Curl, was zeigt, wie gut er verarbeitet ist und wie überzeugt die Marke von ihrer GBS-Konstruktion ist. Untermauert wird das von einer großzügigen Menge Neoprentape innen (aus dem neuesten E5), das deutlich mehr abdeckt als nur die strategisch wichtigsten Nähte. Das sollte für eine langlebige, starke und wasserdichte Barriere gegen kaltes Wasser sorgen. Dazu kommt beim Dawn Patrol ein Glide-Skin-Kragen, und diese Kombination verhindert Flushing und eindringendes kaltes Wasser spürbar besser.
Zu guter Letzt sind die Neoprenpanels groß und gut angeordnet, was für eine gute Passform und funktionale Performance sorgt. Über der Rückenmitte fühlt es sich durch Nähte und Panels etwas enger an, und das ist einer der Kompromisse, die mir beim Tragen aufgefallen sind, doch der Stretch ist definitiv gut.

Der Dawn Patrol Warmth ist ein aufregender Neoprenanzug (entschuldige die Nerd-Begeisterung…), und als wir ihn zum ersten Mal gesehen haben, dachten wir sofort: ‘Das erinnert uns an einen Flashbomb von vor ein paar Saisons’. Im Test hat sich diese Vermutung bestätigt: Er trifft den Sweetspot aus Preis-Leistung, Ausstattung und Performance wirklich genau.