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Neoprenanzug-Nähte erklärt

Lass dir nicht einreden, die Nahtart deines Neoprenanzugs sei nebensächlich. Die Nähte entscheiden maßgeblich darüber, wie dicht und wie bequem der Anzug ist – und wenn du hier die falsche Wahl triffst, kann es auf dem Wasser schnell ungemütlich kalt werden.

Neoprenanzüge funktionieren, indem sie eine dünne Wasserschicht auf der Haut einschließen, die von der Körperwärme aufgeheizt wird und dann isoliert. Damit das funktioniert, muss der Anzug wie eine zweite Haut sitzen – ohne Hohlräume. Um diese Passform zu erreichen, werden einzelne Panels zusammengenäht. Das sorgt für einen deutlich bequemeren und wirksameren Anzug, aber die Nähte können aus mehreren Gründen zur Schwachstelle werden.

  • Weniger Flexibilität: Nach dem Reißverschluss sind die Nähte der unflexibelste Bereich eines Neoprenanzugs. Ein guter Anzug hat deshalb keine Nähte auf den Schultern oder unter den Armen, da dies die Bewegung in deinen wichtigsten Paddelzonen einschränken kann.
  • Scheuern: Mehr Nähte bedeuten ein höheres Risiko, dass etwas auf der Haut reibt oder scheuert – und das kann richtig unangenehm werden. Auch bei Anzügen mit wenigen Nähten kann das auftreten; dann ist ein Rash Vest eine gute Idee.
  • Undichtigkeiten: Weil hier die Panels zusammentreffen, sind die Nähte die zweithäufigste Stelle, an der Wasser eindringt (auch hier wieder nach dem Reißverschluss).

All diese Probleme lassen sich bei einem hochwertigen Anzug stark reduzieren – du musst nur wissen, worauf du achten musst.

Nähte

Beim Nähen werden Löcher ins Neopren gestochen, um den Faden hindurchzuführen. Genau dadurch kann rund um die Nähte Wasser in den Anzug gelangen. Je nach Anzug kommen unterschiedliche Nahtarten zum Einsatz, abhängig vom Preis und davon, ob es sich um einen Sommeranzug oder einen Wintersteamer handelt.

Overlock-Naht

Die einfachste Art zu nähen – ähnlich wie die Nähte an deiner Jeans oder deinem T-Shirt. Die beiden Panelkanten werden nach innen gerollt und dann zusammengenäht. Overlock-Nähte sind deutlich unflexibler und erzeugen zudem einen Wulst auf der Innenseite des Anzugs, der unangenehm sein kann. Du findest diese Nahtart nur bei günstigeren Anzügen oder Sommeranzügen.

Flatlock-Naht

Bei dieser Naht wird die Kante des einen Panels über das andere gelegt und beide werden durchgenäht. Das ergibt eine flexible und langlebige Naht. Der Nachteil: Es entstehen sehr viele Löcher im Neopren, durch die Wasser eindringen kann. Deshalb kommt die Flatlock-Naht vor allem bei Sommeranzügen zum Einsatz.

Blindstich-Naht (GBS)

Die beste Wahl für Kaltwassersurfen. Die Panelkanten werden auf Stoß miteinander verklebt und dann von der Innenseite des Neoprens vernäht. Der Stich geht dabei aber nur teilweise durch das Material und nicht bis zur Außenseite der Panels. So entsteht eine vollständig wasserdichte, sehr flexible und wirklich stabile Naht. Diese Nahtart findest du manchmal als Glued Blind-Stitched oder kurz GBS angegeben.

Versiegelungen

Für zusätzliche Verstärkung und Dichtigkeit haben manche Anzüge außerdem versiegelte oder getapte Nähte.

  • Verklebte Nähte: Wie bei GBS-Nähten bedeutet das, dass die Panels vor dem Nähen verklebt wurden. Das macht die Naht sowohl stabiler als auch dichter. Auf dem Bild siehst du ein Panel, das verklebt, außen aber nicht vernäht wurde.

  • Getapte Nähte: Auf die Innenseite der Nähte wird dort, wo es nötig ist, ein Tape aufgebracht, um sie zu verstärken – strategisches Taping bedeutet, dass genau die Bereiche verstärkt wurden, die der größten Belastung ausgesetzt sind, während vollständig getapt heißt, dass alle Nähte verstärkt wurden.

  • Versiegelte Nähte: Liquid sealed, fluid sealed, welded? Das sind alles Bezeichnungen dafür, dass flüssiger Gummi über die Nähte aufgetragen wird, wodurch sie vollständig wasserdicht werden. Bei manchen Anzügen ist das außen wie innen der Fall.

Das Fazit: Wenn du einen Neoprenanzug für kältere Gewässer suchst, achte mindestens auf GBS-Nähte. Bist du viel im Wasser und wird dein Anzug regelmäßig stark beansprucht, lohnen sich getapte oder sogar versiegelte Nähte für zusätzliche Haltbarkeit und Dichtigkeit.

Der zweite wichtige Punkt ist, wie viel Flexibilität du brauchst. Mehr Nähte bedeuten weniger Flexibilität, und generell ergeben mehr Nähte und Panels einen besser sitzenden Anzug. Fortschritte in der Surftechnologie haben allerdings zu elastischerem Neopren geführt, das sich der Körperform anpasst – bei einem wettkampforientierten Anzug mit wenigen Panels musst du bei der Passform also womöglich gar keine so großen Abstriche machen.

 

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Geschrieben von Eliza Tilbury

Aktualisiert am 9. März 2023

Ursprünglich veröffentlicht am 19. September 2019 in Neoprenanzug-Ratgeber