Wenn du neu im Surfen bist oder aus jenem Bikini- und Boardshorts-Klima weggezogen bist, von dem ich hier an meinem Schreibtisch ständig träume, fragst du dich vermutlich, wann der beste Zeitpunkt ist, Neoprenschuhe, Handschuhe und Haube hervorzuholen, richtig? Dann verrate ich dir mal meine Geheimnisse.
Ganz ehrlich: Ich weiß, dass es Zeit für Neoprenschuhe ist, wenn ich zitternd im Auto sitze und darauf warte, dass die Heizung anspringt, damit ich zu meinem Lieblingsspot fahren kann. Zeit für Handschuhe ist es, wenn ich aus dem Wasser komme und meinen Anzug buchstäblich nicht ausziehen kann, weil meine Hände komplett taub sind. In dem Fall wartest du besser 20 Minuten, bis das Blut wieder in deinen Extremitäten ankommt. Und der Moment, in dem ich weiß, dass eine Haube nötig ist, ist der, in dem sich jeder Duck Dive anfühlt, als hätten Kopfschmerzen und Hirnfrost geheiratet und mein Schädel wäre zufällig ihr Kind…
So messe ich also, wann es Zeit ist, den Winterschrank abzustauben und die Skelette (Surf-Accessoires) aus ihrem Sommerschlaf zu holen. Wie bei den meisten Theorien im Leben gibt es aber auch hier eine Wissenschaft dahinter. Deshalb werde ich konkret.
Hinweis: Ich verwende den Begriff 'Ärgernis' statt 'Nachteile', weil es an Neoprenschuhen, Handschuhen und Hauben im Winter wirklich nichts Negatives gibt. Sie verändern nur ein wenig, wie sich das Surfen bei Kälte anfühlt.
Liegt die Wassertemperatur zwischen 10-14°C, wird es Zeit für die Neoprenschuhe. Besonders am unteren Ende dieser Spanne. Es gibt allerdings gute und weniger gute Seiten daran.
Vorteile
- Sie halten deine Füße länger warm
- Sie geben zusätzlichen Grip, wenn dein Wachs zur Neige geht
- Sie schützen deine Füße vor scharfem Riff und Felsen
Ärgernis
- Sie nehmen dir das Gefühl für das Board
- Sie können fast zu ‘griffig’ sein, was das Umstellen der Fußposition nach dem Anpaddeln erschwert
- Sie reißen leicht ein, wenn du beim An- und Ausziehen nicht aufpasst
Liegt die Wassertemperatur um die 10-12°C, werden Handschuhe zur Option. Auch hier gilt: alles eine Frage der persönlichen Vorliebe. Wenn du kälteempfindlich bist oder einfach länger im Wasser bleiben möchtest, sind Handschuhe zu empfehlen. Wichtig zu wissen: Handschuhe schützen vor allem vor Windchill, nicht nur vor Wasser. Deine Hände sind ohnehin nur beim Paddeln unter Wasser. Beim langen Warten im Line-up sind sie dagegen der Luft ausgesetzt.
Vorteile
- Schützen deine Hände vor den Elementen
- Erlauben dir, länger im Wasser zu bleiben
Ärgernis
- Sie wurden früher mit ‘Schwimmhäuten’ hergestellt. Das muss niemand nochmal sehen
Sobald das Salzwasser unter 10°C fällt, bist du erstens verrückt, überhaupt surfen zu wollen – und zweitens brauchst du eine Haube. Wenn du nach dem Sport schon einmal das Pech hattest, ein Eisbad nehmen zu müssen: Stell dir vor, darin zu surfen, mit dem Kopf ständig unter Wasser. Kurz gesagt: unangenehm. Nicht aber mit einer Neoprenhaube. Den größten Teil deiner Körperwärme verlierst du über den Kopf. Ihn warm zu halten ist deshalb entscheidend, damit der ganze Körper warm bleibt. Eine Neoprenhaube kann außerdem dem sogenannten ‘Surferohr’ vorbeugen, das häufig durch zu viel kaltes Wasser und Windchill verursacht wird.
Vorteile
- Hält den Kopf warm und sorgt so dafür, dass Wärme im ganzen Körper zirkuliert
- Beugt dem ‘Surferohr’ vor
- Lässt dich deutlich länger im kalten Wasser bleiben als ohne Haube
- Reduziert Kopfschmerzen beim Duck Diving
Ärgernis
- Eine Neoprenhaube aufzusetzen bedeutet, dass du gleich in eiskaltes Wasser gehst. Da sollten die Wellen schon richtig gut laufen, wenn du rausgehst!
Du solltest jetzt also ein Gefühl dafür haben, wann es sinnvoll ist, im Winter ein paar Neopren-Accessoires zu ergänzen. Ich möchte aber betonen: Es ist alles eine Frage der persönlichen Vorliebe. Ich bin in Victoria (Australien) im Winter (wenn es bitterkalt ist) in einem 3/2er mit nur Neoprenschuhen gesurft. In derselben Saison sah ich Surfer in einem 4/3er mit Schuhen, Handschuhen UND Haube. Tief im Inneren weiß ich, dass die länger im Wasser waren als ich…
Denkanstoß.
Lies auch unsere Artikel ‘welche Neoprendicke du brauchst’ und ‘welcher Anzug für welches Surfziel’, um mehr darüber zu erfahren, welche Dicke und welcher Anzugtyp am besten zu deinem nächsten Abenteuer passen.
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